Mit Fahrrädern erkundete letzten Sommer eine kleine Gruppe Interessierter einige spezielle Naturräume in Hörsching (Bericht). Besondere Blütenpflanzen, Insekten und vielfältige Lebensräume im Wald, auf Wiesen, Äckern und an Gewässern konnten dabei beobachtet werden. Erstaunlich, was sich bei genauem Hinsehen neben Wohngebieten, Industrie, Gewerbe und intensiver Landwirtschaft an natürlichem Leben halten kann. Wesentlich für das Gleichgewicht in der Natur ist die Artenvielfalt, die es zu schützen und zu fördern gilt und die auch bei uns in Gefahr ist.
Kiebitz
Als „Vogel des Jahres“ 2026 zeigt uns der Kiebitz auch in unserem Gemeindegebiet, wie sensibel gefährdete Arten auf Eingriffe und Einflüsse durch den Menschen reagieren. Er steht in Österreich auf der Liste bedrohter Arten, die Bestände haben sich drastisch reduziert (siehe auch). Als ursprünglicher Wiesenbrüter hat sich der Zugvogel an das weitgehende Verschwinden der Feuchtwiesen angepasst und brütet nun im Frühjahr auf Äckern. Hier droht ein Überfahren der Eier durch Landmaschinen. Engagierte Freiwillige helfen Bauern und Bäuerinnen dabei, die Nester zu markieren und so ein Schlüpfen der Jungvögel zu ermöglichen.
Das heurige, extrem trockene Frühjahr hat das Überleben der jungen Kiebitze schwierig gemacht. Insekten und Würmer, welche als Futter dienen sollten, haben sich in tiefere, feuchtere Bodenschichten verkrochen. Kiebitzküken konnten sich so nicht ausreichend ernähren, viele sind in dieser Zeit wohl nicht durchgekommen. Zum Wohlfühlen, Baden und auch zur Futtersuche benötigen Kiebitze feuchte Stellen oder flache Wasserlacken in der Nähe. Fehlen diese, sinken die Chancen für ein erfolgreiches Brüten. Hörsching bietet mit seinen Versickerbecken und temporären Wasserlacken, die nach Rekultivierung von Schottergruben oftmals entstehen, gute Voraussetzungen für Kiebitzkolonien – eigentlich. Denn auch das vorjährige Frühjahr war zeitweise sehr trocken, der Bruterfolg nur mäßig und die Bestände haben sich merklich reduziert.
Brachvogel
Fast gänzlich aus Hörsching verschwunden ist der Brachvogel, der noch vor einigen Jahren am Gelände des Flughafens erfolgreich brüten konnte. Es sind wohl mehrere Faktoren, die hier ungünstig zusammenkommen: Klimakrise, Kulturmaßnahmen zum ungünstigen Zeitpunkt, Verbauung und Versiegelung setzen bedrohten Arten zu.
Naturschutz scheint angesichts der zugespitzten Weltlage und wirtschaftlicher Probleme aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir notwendigerweise von und mit der Natur leben. Artenvielfalt ist ein Indikator dafür, wie es um die natürlichen Kreisläufe bestellt ist. Wir alle sind gefordert, Verantwortung dafür zu übernehmen.