• Daniel Mayrwöger | AUFWIND 2026/ 01

Ein neuer Fahrplan für unsere Gemeinde – zwischen Ambition und politischem Taktieren

Hörsching hat sich viel vorgenommen. Nach dem Abschluss der Strategieperiode 2020–2025, in der beachtliche 87,4 % der Ziele erreicht wurden – wenn auch teilweise nur eingeschränkt messbar, da die Indikatoren schwammig formuliert waren –, liegt nun das neue Strategiepapier 2026–2030 vor. In einem monatelangen, breit angelegten Prozess haben rund 100 Personen aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft die Leitlinien für die kommenden fünf Jahre erarbeitet. Das Ziel: Hörsching als pulsierenden, lebenswerten Ort mit hoher Lebensqualität weiterzuentwickeln.

Der Prozess: Bürgerbeteiligung trifft auf frühen Wahlkampf

Die Organisation des Prozesses durch die Gemeinde war erneut sehr gut. Basis waren umfangreiche Bürger-, Mitarbeiter- und Stakeholderbefragungen aus den Jahren 2023 und 2024. In acht Arbeitsgruppen wurde meist sehr konstruktiv an Sachthemen gearbeitet.
Allerdings war die politische Ebene diesmal eine Herausforderung: Man merkte deutlich den bereits jetzt spürbaren Vorwahlkampf für 2027. Während die fachlichen Gruppen lieferten, verstrickte sich die Arbeitsgruppe zur politischen Ebene in teilweise dogmatische Diskussionen und musste schließlich sogar abgesetzt werden. Als Grüne Ortsgruppe finden wir: Sachpolitik sollte immer vor Parteitaktik stehen – besonders dann, wenn es um die langfristige Zukunft unserer Heimat geht...

Ein Meilenstein: Messbarkeit statt leerer Worte

Ein großer Erfolg der neuen Strategie ist der Fokus auf konkrete, messbare Indikatoren. Über 100 solcher Kennzahlen wurden definiert, darunter auch sogenannte Outcome-KPIs, die die tatsächliche Wirkung – zum Beispiel über die Zufriedenheit in der Bevölkerung – messen. Ein konkretes Monitoring und regelmäßige Reviews im Prüfungsausschuss sollen sicherstellen, dass die Strategie nicht in der Schublade landet, sondern gelebt wird...


Die Strategiefelder im grünen Check

Umwelt und Nachhaltigkeit: Der Kurs stimmt

Die Ziele in diesem Bereich sind erfreulich konkret. Wir sprechen hier von einer CO₂-Einsparung von mindestens 200 Tonnen bis 2030, der Pflanzung von 100 neuen Bäumen und einer Reduktion des Restmülls um 5 %.

 Unsere Sicht: 

Die Ziele sind anspruchsvoll, aber erreichbar. Ein Wermutstropfen bleibt: Der Indikator für Agri-PV-Anlagen wurde in letzter Minute von „2 Anlagen“ auf „bis zu 2 Anlagen“ abgeschwächt. Wir werden darauf achten, dass hier kein Stillstand eintritt.


Mobilität und Verkehr: Zeit für eine echte Datenbasis

Hier wurde die Vision eines sicheren Geh- und Radwegenetzes sowie eines attraktiven öffentlichen Verkehrs verankert. Geplant sind unter anderem die Schließung von mindestens drei großen Netzlücken und der Ausbau von Mobilitätsdrehscheiben.

 Unsere Sicht: 

Die Ziele sind richtig, aber zur finalen Beurteilung fehlt noch die Faktenlage. Wir fordern in den Ausschüssen eine saubere Ist-Erhebung, um daraus einen seriösen Soll-Zustand ableiten und monitoren zu können.


Wirtschaft und Raumordnung: Mut zur Entscheidung gefragt

Dieses Feld war das schwierigste. Ein Wirtschaftsleitbild soll erstellt werden, doch konkrete Zahlen suchte man anfangs vergeblich. Sowohl ÖVP als auch SPÖ wollten sich nicht festlegen, um weiterhin „flexibel entscheiden“ zu können.

 Unsere Sicht: 

Eine Strategie, die nicht messbar ist, ist wertlos. Auf unser Drängen hin wurde nun zumindest als Ziel aufgenommen, dass bis Ende 2026 verbindliche Indikatoren im Ausschuss erarbeitet werden müssen.


KUSZ und Gastronomie: Professionalisierung statt „Weiter wie bisher“

Das KUSZ soll nicht mehr nur verwaltet, sondern professionell betrieben werden – inklusive einer finalisierten Strategie und klarer Strukturen. Beim Thema Gastronomie setzt die Gemeinde auf eine Taskforce, um wieder Leben ins Zentrum zu bringen.

 Unsere Sicht: 

Wir unterstützen die Hinzuziehung externer Expertinnen und Experten für das KUSZ voll und ganz. Die Kritik des politischen Mitbewerbs daran ist für uns unverständlich – Professionalität ist der einzige Weg, um ein Niveau wie etwa in der „Spinnerei“ zu erreichen. 


Leistbares Wohnen

Hier wurde unter anderem das Ziel verankert, 95 % des Wohnbedarfs junger Erwachsener aus Hörsching zu decken.

 Unsere Sicht: 

Die Ziele sind gut formuliert. Auch wenn der direkte Einflussbereich der Gemeinde hier eingeschränkt ist, ist das Bekenntnis zu leistbarem Raum wichtig.


 Moderne Verwaltung und Dienstleistung

Hörsching will Vorreiter bei der Digitalisierung und beim Einsatz Künstlicher Intelligenz bleiben. 25 Verwaltungsabläufe sollen künftig durch KI unterstützt werden.

 Unsere Sicht: 

Das Amt hat hier sehr ambitionierte Ziele vorgelegt, die den Weg zum modernen Dienstleistungsunternehmen konsequent fortsetzen. Das Führungsteam genießt hier unser volles Vertrauen – Hörsching ist als moderne Dienstleisterin weiterhin auf einem Top-Weg!


Fazit: Dranbleiben ist alles!
Das Strategiepapier ist ein starkes Dokument, aber die darin enthalten­en Maßnahmen sind vorerst nur Empfehlungen an die Ausschüsse. Die eigentliche Arbeit – das Abwägen und Umsetzen – findet jetzt dort statt. Wir Grüne werden im Gemeinderat und in den Ausschüssen konsequent darauf pochen, dass die vereinbarten Indikatoren eingehalten werden. Denn nur, was man misst, wird auch wirklich umgesetzt!

Hier können Sie das Strategiepapier lesen und auch downloaden:
Strategie der Gemeinde Hörsching

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